Publikation Bildhauerei

Sabine Hierath
Berliner Zinkguß. 
Architektur und Bildkunst im 19. Jahrhundert
312 S., 192 s/w Abb., Bibliographie, Register; fester Einband
ISBN 3-930633-14-0    € 65,00

Die vorliegende Arbeit bietet erstmals eine in materialästhetischer wie herstellungstechnischer Hinsicht umfängliche Untersuchung des in der Bau- und Bildkunst des 19. Jahrhunderts vielfach verwendeten Zinkguß. In Abweichung zur gängigen Forschungsmeinung wird der „Berliner Zinkguß“ hier als Stil verstanden, für den der Gießer Moritz Geiss die ideell-technischen Voraussetzungen schuf, während seine Materialästhetik eng mit der Persönlichkeit des Architekten Karl Friedrich Schinkel verbunden ist.

Bereits Ende der 1830er Jahre hatte sich Zink als Material der Bau- und Bildkunst in erheblichem Maße durchgesetzt. Seiner Verbreitung kam die mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. (1840) immens verstärkte Bautätigkeit in Berlin und Umgebung zugute, wie zahlreiche Bildwerke aus Zink in den Parkanlagen von Sanssouci, Glienicke oder Babelsberg, aber auch die Verwendung des Materials im Villen- und Wohnhausbau, bei Denkmälern, repräsentativen Gebäuden oder in der Sakralarchitektur belegen. Das Phänomen des Berliner Zinkgusses ist wesentlich mit dem Problem der Oberflächenveredelung verbunden, für das man mit der seit 1850 zunehmend verbreiteten galvanischen Verkupferung eine ideale Lösung gefunden zu haben schien. Die optische Angleichung an den Bronzeguß führte jedoch zu einer fortschreitenden ästhetischen Abwertung des Zinks, das man nunmehr als „Surrogatmaterial“ wahrnahm. 

Von den Anfängen bis hin zur Etablierung des Materials und schließlich dem fortschreitenden Bedeutungsverlust in den 1860er und 1870er Jahren zeichnet die Autorin mit akribischer Genauigkeit die Weiterentwicklung und Verbreitung des Zinkgusses nach. Der Blick auf denkmalpflegerische Maßnahmen insbesondere der 1990er Jahre bildet den Abschluß der Arbeit und reflektiert kritisch die heutige Rezeption des Metalls.

Friedrich Tieck (Entwurf) Klio nach 1847