Mich schaudert dieses Krieges!
Georg Gelbke (Rochlitz (Sachsen) 1882 - 1947 Dresden)
"Mich schaudert dieses Krieges!" Ein Beitrag zur Kulturkritik
Folge von vier Federlithographien in Braun auf chamoisfarbenem Velin sowie einer Federlithographie auf grauem Tonpapier (Titel),
alle Lithographien augenscheinlich im Umdruckverfahren
Dresden, Emil Richter, 1916 (Ex. 19/25)
48,9 x 32,4 cm (Titel)
53,1 x 32,9 cm (Blätter max.)
Inv.-Nr. 2020.153
Just zum Erscheinen des 2012 begonnenen Kompendiums graphischer Zyklen zum Ersten Weltkrieg gelang LETTER Stiftung die Erwerbung dieser seltenen – und aufgrund des eindringlichen Titels für das Buch namengebenden – Folge. Sie stammt aus einer Chemitzer Privatsammlung, wohin sie aus dem Nachlaß von Karl Josef Friedrich (Dresden 1888 - 1965 Seifersdorf (Wachau)) gelangte. Der evangelische Geistliche Friedrich stand zeitweise in enger Verbindung zur „Künstlergruppe Chemnitz“, die der seit 1901 dort ansässige Georg Gelbke 1907 mitgegründet hatte. Gelbke und Friedrich waren befreundet; 1945 bewahrte die Auslagerung bei Friedrich in Seifersdorf (Landkreis Bautzen) Werke des Künstlers vor der Zerstörung im Dresdner Feuersturm.
„Mich schaudert dieses Krieges!“ ist nach „Der Tod im Kriege“ (1915 wohl im Selbstverlag veröffentlicht) Gelbkes zweite Graphikfolge zum Ersten Weltkrieg. Beide Werke thematisieren anhand allegorischer Aktszenen den überzeitlich grausamen Charakter des Krieges, ohne daß das ab 1914 stattfindende massenhaft-technisierte Töten ikonographisch konkretisiert würde. Gelbke selbst war aus gesundheitlichen Gründen vom Frontdienst befreit, schuf aber so militärisch konkrete Werke wie „Gefahrvolle Ballonlandung“, „Husaren und Flugzeug“ und „Platzende Granate“, zudem einige propagandakonforme Darstellungen wie „Großer Helden heilige Not“ für die durch die „Künstlergruppe Chemnitz“ herausgegebene Zeitschrift „Bilder aus Deutschlands Sturmzeit“1