Bildhauerei
Auf dem Gebiet der Bildhauerei verstehen wir uns als eine Art "Bergungsunternehmen": Wir nehmen Objekte auf, die uns wegen ihrer Qualität und ihrer jeweiligen Eigenart als so bedeutend erscheinen, dass sie der Öffentlichkeit dauerhaft zur Verfügung stehen sollten. So haben wir bislang über 2.500 Bildwerke zusammengetragen, davon 550 Kleinreliefs (Medaillen und Plaketten).
Neben unserem Fokus auf die Werke weniger bekannter deutschsprachiger Bildhauer bauen wir zugleich eine Studiensammlung zu den medienspezifischen Möglichkeiten der Bildhauerkunst auf. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle: etwa die grundsätzlichen Wesensunterschiede zwischen Skulptur und Plastik, ästhetisch relevante Bedingungen von Material und Technik sowie das gewählte Format, im Modell und seiner Ausführung.
Unser Interesse gilt zudem außergewöhnlichen Phänomenen, wenn etwa Bildwerke aus unüblichen Materialien wie gepresstem Kohlestaub oder dem Niederschlag einer Salzlösung bestehen, wenn Keramiken Bronze imitieren oder das Modell mittels photomechanischer Verfahren entwickelt wurde. Auch Varianten, bei denen dasselbe Modell sowohl als Akt- als auch als Gewandfigur oder in unterschiedlichen Größen, Materialien und Techniken realisiert wurde, sind für uns von besonderer Relevanz.
Motivschwerpunkte bilden − oft jenseits des kanonisch schönen Menschenbildes − Büste, Kopf und Antlitz sowie mythologische und bukolische Sujets. Im Rahmen eigener Ausstellungsprojekte haben wir unsere Sammlung gezielt erweitert, etwa zu Themen wie Katzentiere oder Tanz. Ferner sammeln wir historisch-kinetische Objekte, darunter Gliederpuppen: vor allem Christusfiguren mit beweglichen Körperteilen, die für Passionsspiele zwischen Kreuzigung und Grablegung genutzt werden.
Außerdem Lithotheken, Gesteinsmustersammlungen in verschiedenen Formen – als Plättchen, Tafeln oder Intarsienarbeiten. Seit Jahren widmen wir uns ferner chinesischen Traumsteinen (Shih-hua), Marmorplatten mit reicher mineralogischer Binnenzeichnung, die an Landschaften oder atmosphärischer Stimmungen erinnern. Diese Steine sind zumeist in Holzständer eingesetzt und dienten traditionell chinesischen Poeten und Gelehrten als Meditations- und Inspirationsquelle.
Monographische Sammlungsschwerpunkte bilden das plastische Werk von Ludwig Gies (1887-1966), Julius Obst (1878-1950) und Clemens Sieler (1959-1990).