Flors Fazit zu ihrem Aufenthalt und dem Fortgang ihrer Forschungen:

Die Zeit in Köln erwies sich als äußerst bereichernd für den Fortschritt meiner Doktorarbeit und meine eigene künstlerische Praxis. Als Übung zur Einordnung dessen, was genau die Praktiken von Künstlern an der Front im weiteren Sinne ausmacht, war sie von unschätzbarem Wert; Zugang zu den in diesem Zusammenhang entstandenen Originalwerken zu erhalten, ermöglichte mir ein viel fundierteres Verständnis dafür, unter welchen Bedingungen diese Künstler arbeiteten und welche Ansätze sie verfolgten.

Der „neuen Ästhetik des Kampfes“, wie sie Robert de La Sizeranne (1866-1932) in „L’Art pendant la guerre 1914-1918“ (Paris 1919) beschreibt, konnte ich auf diesem Weg unmittelbar nachspüren. Im Gegensatz zu den Verhältnissen im C.E.P., dem portugiesischen Expeditionskorps, und zu Adriano de Sousa Lopes’ eigenen, in seinen Briefen beschriebenen Erfahrungen, gab es im deutschsprachigen Raum ein vergleichsweise gut strukturiertes Arbeitsumfeld für die Künstler-Soldaten. Der Zugang zu den Archiven der Stiftung ermöglichte es mir nicht nur, große Fortschritte bei meiner Forschung zu Kriegsmappen im Allgemeinen zu machen, sondern auch das Werk von Sousa Lopes besser zu verstehen.

Der Aufwand, den Vorstand und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Zusammenstellung der Informationen aus ihrer Publikation, ihrer Bibliothek und ihrer bemerkenswerten Graphiksammlung betreiben, ist beeindruckend. Es war ein unglaubliches Privileg, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu dürfen, Zugang zu den Beständen zu erhalten, direkt mit den Materialien zu arbeiten, ihre Herangehensweisen und ihre Arbeitsethik zu beobachten und – was besonders wichtig ist – ihre Gesellschaft zu genießen (ich erinnere mich gerne an unsere Gespräche während der Mittagspause).

Durch interpretatives Kopieren fertigte ich Dutzende von Zeichnungen sowie mehrere Radierplatten an. Sie ermöglichten es mir, die Rahmenbedingungen, die technischen Ansätze sowie die graphischen Fähigkeiten dieser Künstler besser zu verstehen und einen direkteren Vergleich mit Adriano de Sousa Lopes’ eigener Praxis anzustellen. Um meine Platten zu radieren und auf Papier zu drucken, wandte ich mich an Gintare Skroblyte, die Leiterin LETTER Presse in Coesfeld. Unglaublich hilfsbereit und überaus freundlich hat sie mir bei allen Fragen und Anliegen zur Seite gestanden.

Der Team-Workshop bestimmte meine letzten Tage in Köln. Nicht nur bot er die Gelegenheit, einige Ideen des in-situ-Drucks hinsichtlich ihrer Praktikabilität zu überprüfen, sondern auch die Möglichkeit, mich bei der Stiftung für ihr Entgegenkommen und die angenehme Zusammenarbeit mit einer lehrreichen, hoffentlich auch unterhaltsamen und faszinierenden Erfahrung zu bedanken.

Ich freue mich darauf, die theoretischen und praktischen Erkenntnisse aus meiner Zeit dort bei weiteren Gelegenheiten anzuwenden: bei der Veröffentlichung von „ETCHING IN SITU. On Technical Desires, Grounds, and the Conditions of Making“ (Arbeitstitel), einem umfangreichen und ambitionierten Buch über in-situ- und nomadische Druckkunst, dessen Veröffentlichung für 2027 geplant ist, meiner (noch unvollendeten) Doktorarbeit sowie einer großen Ausstellung, die 2027 im Militärmuseum in Lissabon stattfinden wird.

Petra Aescht / Flor de Ceres Rabaçal

Fußnoten:
[1] Diese Methode geht auf ihre Betreuerin, Graciela Machado, zurück; vgl.: Belkot, Marta / Silva, António / Lima, Rafaela / Machado, Graciela: Towards Archaeological Printmaking; in: IMPACT. Printmaking Journal H. 6, 2023 (https://doi.org/10.54632/22.7.IMPJ12, Aufruf 20.08.2026)

Flor’s Conclusion on her Stay and the Progress of her Research:

The period I spent at the Foundation proved to be tremendously enriching for the progress of my PhD research and my own artistic practice. As a contextualizing exercise of what exactly defines the war artist’s approach, in a macro sense, it was indescribably valuable; the opportunity afforded to me in accessing the original specimens produced in this context allowed me to gain a much more solid grasp of the conditions these artists found themselves in, and what types of solutions they employed.

Importantly, I was able to witness first-hand a ‘new aesthetic of battle’, as suggested by Robert de La Sizeranne (1866–1932) in ‘L'art pendant la guerre 1914-1918’ (Paris 1919). Contrary to what took place in C.E.P., the Portuguese Expeditionary Corps, and to Sousa Lopes’ own lived experience, described by himself in correspondence available on record, there was a comparatively well structured system of labour for the artist-soldier in the German speaking world. Having access to the Foundation’s archives allowed me not only to make great strides in my research on war portfolios in a general sense, but also to better understand Sousa Lopes’ own work.

The monumental task the board and all the staff had in gathering the invaluable information found in their publication, their library and their remarkable collection of prints is awe-inspiring. It was an incredible privilege to be allowed to look behind the curtain, access their archive, work directly with the materials, observe their working methods and working ethic, and, importantly, to enjoy their company (I remember our lunch-time conversations fondly).

During this time, I was able to produce dozens of drawings as well as several etching plates in an exercise in interpretative copying. These allowed me to better understand these artists’ technical preoccupations, conditions, solutions and graphic abilities, and to establish a more direct comparison with Adriano de Sousa Lopes’ own print practice. In order to etch my plates (and to print them on paper), I contacted Gintare Skroblyte, the person responsible for managing LETTER Presse in Coesfeld. Gintare was remarkably helpful and tremendously kind, assisting me with any inquiry or need I had.

The workshop for the foundation‘s team marked my final days in Cologne, and not only was it an attempt to validate a few notions regarding the possibilities of in situ printmaking, it was also a way to give back something to the foundation, to thank them for being so accomodating and such a pleasure to work with, and, ultimately, to provide them with an educational but also hopefully fun and engaging experience.

I look forward to share my conclusions from my time there, both theorical and practical, in three future moments: the publication of ‘ETCHING IN SITU: On Technical Desires, Grounds, and the Conditions of Making’, (working title), an extensive and ambitious book on in situ and nomadic printmaking, scheduled to be published sometime in 2027, my PhD manuscript (as of yet unfinished) and a large exhibition to be held in Lisbon’s Military Museum in 2027.

Petra Aescht / Flor de Ceres Rabaçal

Notes:
[1] A method created by her advisor, Graciela Machado. For more information, please refer to: Belkot, Marta / Silva, António / Lima, Rafaela / Machado, Graciela: Towards Archaeological Printmaking; in: IMPACT. Printmaking Journal H. 6, 2023 (https://doi.org/10.54632/22.7.IMPJ12)

Das Einfärben der Druckplatten / applying the printing ink
Das Einfärben der Druckplatten / applying the printing ink
Experimente mit Salz statt Aquatintakorn / experimenting with salt instead of aquatint grain
Geätzte Landschaft nach dem Säurebad / etched landscape after the acid bath
Gegenüberstellung von gedruckter und geätzter Platte / printed plaster and etched plate side by side

Abbildungen / Images:
© Flor de Ceres Rabaçal

Abbildungstext / Caption Teaser:
Radierung unter der Lupe / etching under the magnifying glass


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