"Emporblickender Soldat" von Willy Meller (?)


Wilhelm Martini

Emporblickender Soldat

wohl 1917 (Modell) / 1918 (Guß)

Bronze, Figur Vollguß, Sockel dickwandiger Hohlguß; mittel- bis dunkelbraun patiniert
Rückseite an der gewölbten Standfläche mittig im Modell vertieft monogrammiert: W.M. [/] I8 (zentriert unter dem Monogramm)

19,6 x 5,1 x 4,8 cm (Plastik inkl. Sockel)

Inv.-Nr. 2013.108

Des Rätsels Lösung:

 

Wilhelm Martini
Soldatentyp aus dem Schützengraben

Unter diesem Titel verzeichnet eine Monographie zu Wilhelm Martini aus dem Jahr 1926 die bisher Willy Meller zugeschriebene Figur. Eindeutig erkennbar sind fünf Exemplare der Auflage in unterschiedlicher Ausrichtung auf einem Sockel postiert, der die Aufschrift trägt:

Original Broncen von
Bildh. W. Martini Modell
hergestellt im Felde
vor Pont à Mousson 1917

Pont à Mousson war ein im Ersten Weltkrieg strategisch wichtiger Ort mit Moselübergang in Lothringen und als solcher Schauplatz andauernder Gefechte.

Hier nochmals der ursprüngliche Text unseres "Wer kennt's":

Die kleine Plastik eines Soldaten in deutscher Uniform mit Feldmütze, die Hände in die Hosentaschen gesteckt und gen Himmel schauend, wurde aufgrund des Monogramms, der Datierung und ihrer thematischen Zeitgebundenheit dem Kölner Bildhauer Willy Meller zugeschrieben. In der ohnedies spärlichen Literatur zu Meller, darunter das Werkverzeichnis in der unpublizierten Magisterarbeit von Beate Eckstein (Köln 1998), taucht sie allerdings nicht auf.

Die genremäßige Auffassung – der Soldat scheint mehr dem Müßiggang zu frönen, denn auf Beobachtungsposten (feindliche Flieger?) zu stehen – wäre dem Frühwerk des 1887 in Köln geborenen und 1974 ebenda verstorbenen Künstlers zuzurechnen. Meller ging nach seiner Ausbildung an der Kölner Kunstgewerbeschule und der Akademie der bildenden Künste in München 1914 nach Köln zurück. 1915 wurde er als Soldat einberufen. An der Westfront eingesetzt, erlebte er das Ende des Krieges bei der Zivilverwaltung in Belgien, wo er sich mit der Ausgestaltung von Soldatenfriedhöfen befaßt sah.

Bei der Plastik dürfte es sich auch aufgrund ihres kleinen Formats und der nur monogrammierten Bezeichnung um eine Gelegenheitsarbeit gehandelt haben, die bestenfalls in sehr kleiner Stückzahl gegossen worden sein dürfte.

Konkrete Vergleichsstücke aus der frühen Schaffenszeit Mellers liegen nicht vor, und auch Werke, die eine Überprüfung der Schreibweise des Monogramms möglich machten, konnten bislang nicht autopsiert werden. Allerdings ergab der Ableich des Monogramms mit dem Werk anderer Bildhauer dieser Zeit auch nicht annähernd eine überzeugende, alternative Zuschreibung.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Meller vorzugsweise im Bereich von Kunst am Bau und gestaltete Denkmäler; im "Dritten Reich" avancierte er zu einem gefragten Bildhauer, dem zahlreiche monumentalplastische Aufträge (u.a. im Berliner Olympiastadion und auf der Ordensburg Vogelsang) übertragen wurden.

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